Entstehungsgeschichte der Halle

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DER WANDEL DES MÜLHEIMER SCHÜTZENPLATZES

Vom traditionellen Festplatz zur modernen Markthalle. Der heutige Mülheimer Marktplatz, den viele als lebendigen Treffpunkt kennen, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Ursprünglich war er als Schützenplatz bekannt, benannt nach der Mülheimer Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft, die hier ihre Heimat hatte. Mit einer Schützenhalle und dem dazugehörigen Platz war das Areal über Jahrzehnte ein Zentrum des gemeinschaftlichen Lebens in Mülheim. Doch die Zeit veränderte die Anforderungen an diesen Ort – und führte ihn durch einen bemerkenswerten Wandel.

NUTZUNG BIS ENDE DER 1980ER JAHRE

Asphaltfläche mit vielen Gesichtern. Bis in die späten 1980er Jahre diente der Schützenplatz als vielseitige Fläche, die jedoch vor allem durch ihre asphaltierte Schlichtheit geprägt war. Neben seiner Funktion als Marktplatz bot er auch Parkmöglichkeiten – insbesondere für die umliegende Industrie im Osten und die Einkaufsstraßen der Berliner Straße. Mehrmals im Jahr wurde der Platz zum Festplatz, insbesondere für das Schützenfest der Bruderschaft. Ansonsten blieb er eine einfache, funktionale Fläche, die sich nur wenig veränderte.

DER UMBAU – EIN ORT FÜR ALLE

Der entscheidende Wendepunkt kam Ende der 1980er Jahre, als ein breit angelegtes Beteiligungsverfahren die Bürgerinnen und Bürger Mülheims dazu einlud, die Zukunft des Platzes mitzugestalten. Ziel war es, den Schützenplatz zu einem modernen, multifunktionalen Raum umzubauen, der den Bedürfnissen aller Generationen gerecht wird. Der vorgestellte Entwurf sah eine offene Markthalle vor, die nicht nur für Marktstände, sondern auch für andere Zwecke genutzt werden konnte. Bei den Diskussionen wurden vielfältige Wünsche geäußert: barrierefreie Toiletten mit Waschraum, eine dezentrale Strom- und Wasserversorgung, ein Kinderspielplatz sowie ausreichend Parkplätze standen auf der Liste der Forderungen ganz oben. Auch die Idee, mehr Grünflächen und Sitzmöglichkeiten zu schaffen, fand großen Zuspruch. Der Umbau des Platzes sollte nicht nur funktional sein, sondern auch zum Verweilen einladen. Der Entwurf griff diese Anregungen auf: Die geplante Markthalle mit einer Fläche von 15 x 30 Metern wurde so gestaltet, dass sie Platz für die Marktstände bot, die im gleichen Raster wie zuvor angeordnet werden konnten. Gleichzeitig sollte die Halle an marktfreien Tagen als Spielfläche genutzt werden können. Um ungewolltes Parken zu verhindern, wurden Poller und Absperrungen vorgesehen. Farben und Materialien wurden mit Bedacht gewählt, um der Halle eine gewisse Leichtigkeit zu verleihen.

UMSETZUNG UND WIEDERERÖFFNUNG

Die Bauarbeiten begannen 1990. Neben der Halle entstanden auch zwei Pavillons, die als überdachte Sitzmöglichkeiten dienen sollten. Der Umbau des gesamten Platzes schlug mit insgesamt 4 Millionen Mark zu Buche – eine Investition, die sowohl das Stadtbild als auch die Lebensqualität der Bürger*innen nachhaltig verbessern sollte. Im Jahr 1991 wurde der modernisierte Platz feierlich wiedereröffnet.

KULTURBUNKER KÖLN MÜLHEIM

Eine zentrale Anlaufstelle am Marktplatz ist der Kulturbunker Köln Mülheim. Nach der Eingemeindung 1914 und den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verlor Mülheim viele kulturelle Stätten und Eigenständigkeit, wodurch ein Großteil des öffentlichen Lebens in linksrheinische Stadtteile verlagerte. Der Hochbunker am Marktplatz wurde 1942 / 1943 gebaut. Nach dem Krieg bot er, zunächst als „Hotel Zapp“, einen der wenigen verbliebenen Räume für kulturelle Aktivitäten, bis er nach längerem Leerstand durch den Verein Kulturbunker Mülheim e.V. ab 1991 renoviert und schrittweise zu einem zentralen Kulturort entwickelt wurde. Seit 2000 dient der vollständig umgebaute Kulturbunker als bedeutende Kölner Location für Kunst, Theater, Musik und Veranstaltungen.

DEN ÜBERGANG SCHAFFEN

Der Umbau des Mülheimer Marktplatzes zeigt, wie Stadtplanung und Bürger*innenbeteiligung zusammenwirken können. Die Forderungen nach mehr Raum für Kinder, grünen Oasen und multifunktionalen öffentlichen Räumen lesen sich heute wie ein Vorbild für aktuelle Planungsverfahren. Es ist aber auch ein Beispiel dafür, dass zwischen Planung und Nutzung eine Lücke klaffen kann. Im Rahmen des Strukturförderprogramms Mülheim 2020 wurde der Marktplatz in den Jahren 2013 bis 2014 erneut umgebaut, da er trotz guter Voraussetzungen die Erwartungen als zentraler öffentlicher Raum für das Viertel Mülheim-Nord nicht erfüllen konnte. Das Toillettenhaus wurde entfernt, die Pavillons verschwanden und die Aufteilung der Parkplätze wurde neu geregelt. Außerdem wurde der Spielplatz erneuert und näher an die Berliner Straße gerückt. Auch hier lag der Fokus auf einer besseren Erschließung und Nutzung durch die Anwohnenden.